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In meinem therapeutischen Beruf war ich schon immer nah an den Menschen dran. Als Logopädin mit dem Schwerpunkt Sprache und Kommunikation. In meinen Jahren in Südamerika, dem intensiven Zusammenleben mit den Hunden dort, fand ich die bis dato fehlende Inspiration für das, was ich gerne weitergeben möchte: Natürliche Verständigung zwischen Mensch und Hund. Unsere Hunde als Spiegel lesen zu lernen, und dadurch sich selber begegnen - ein unbezahlbares Geschenk!


Mein Weg zu den Hunden begann genau genommen 2015 mit dem Entschluss Deutschland, und somit alles Vertraute zu verlassen, um für einige Zeit am anderen Ende der Welt zu leben – in Südamerika. Zusammen, als Familie und mit meiner portugiesischen Straßenhündin Leela, die seit neun Monaten Teil unserer Familie war. Der Wunsch die Perspektive zu verändern, von anderswo auf das eigene Dasein zu blicken, sich einzulassen auf etwas für uns völlig Unbekanntes, war schon lange vorhanden gewesen, ebenso, wie meine Liebe zu Tieren, insbesondere zu Pferden und Hunden.

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Foto Paul Sibka

Zuvor war ich viele Jahre therapeutisch tätig, als Logopädin in einer Lübecker Praxis, mit dem Schwerpunkt Kindersprache. Zuletzt habe ich auch meinen Hund in die therapeutische Arbeit miteinbezogen. Der Weg nach Südamerika war lang, die Landung unsanft, der Prozess des Ankommens dort gestaltete sich schwierig - Was für ein Geschenk dieser Schritt/“Umweg“ jedoch war und immer noch ist, begann ich jedoch erst im Laufe der drei Jahre dort, wirklich zu begreifen.

Eine fremde Kultur – das war die Idee - aber wie sich praktisch darauf einlassen? Wie Leben aktiv gestalten, wenn die Möglichkeiten so gering, so wenig gangbar erscheinen? Eine erste wichtige Erkenntnis zeigte sich: eine Vorstellung von etwas ist das eine, etwas ganz anderes die Realität! Meine Vorstellung davon, gemeinsam mit meinem Hund genüsslich die neue, sonnige Umgebung zu erkunden, am nahen Strand zu gehen, stellte sich ebenfalls völlig anders dar. Um an den Strand zu gelangen, galt es zunächst einmal den Weg dorthin zu überstehen. Zu Beginn glich das einem gefühlten Spießrutenlauf, wobei die Angst stetig mitlief, so wohl bei mir, als auch bei meinem Hund. Unser Weg führte uns durch ein normales Wohngebiet mit großen Gärten, hinter großen Zäunen. Auf jedem Grundstück zwei bis sechs zumeist reinrassige Hunde, sehr kräftige Exemplare wie Rottweiler, Schäferhunde, Bullterrier. Lebende Alarmanlagen, wie sich bald herausstellte, ohne Auslauf, Bindung, oder Beschäftigung.


Manch einer fand Schlupflöcher, um zu uns auf die Straße zu gelangen, sprang über den Zaun, oder wurde einfach alleine losgeschickt. So rannten sie dann auf uns zu, oder warfen sich bellend und scheinbar aggressiv gegen die Zäune. Zusätzlich gab es die vielen Straßenhunde, die häufig einfach aus den Dünen auftauchten, jedoch wesentlich respektvoller agierten. Anfangs hatte ich das Bedürfnis, mir irgendwie Sicherheit zu verschaffen, und nahm einen Wanderstab mit, den ich häufiger auch als Abstandshalter benutzten musste. Die Angespanntheit blieb. Ich begegnete einer deutschen Austauschschülerin, die ähnliche Schwierigkeiten hatte. Sie hatte einen Welpen auf der Straße gefunden, aufgenommen und wollte ihn mit nach Deutschland nehmen. Das gestaltetet sich schwierig, so dass Nilo erst später nachfliegen konnte. Wir konnten helfen, indem wir einen Flugpaten für ihn fanden. Bis dahin spielte er mit Leela. Mittlerweile lebt er in Berlin.

Ich fand Arbeit – Reittherapie mit authistischen Kindern – und auf der Straße dorthin las ich meinen ersten Hund auf, angebunden an einem Straßenschild, ohne Wasser in der Sonne. Ich nahm sie zu uns, Tinka, eine wunderschöne, noch sehr junge Schäferhund-Mix-Dame in üblem Zustand, die sich schnell einlebte. Wenig später kam Cosmo in unsere Familie, mein Pferd. Trotz meiner vorhandenen Erfahrungen mit Pferden, begann ich zusammen mit ihm noch einmal ganz von vorn zu lernen. Unser Kontakt entstand über die Arbeit mit Natural Horsemanship, was ich hier lernen durfte. Kommunikation ohne Worte, jedoch mit Energie und Körper. Behutsam kamen wir uns näher, lernten einander kennen. Ich hatte einen guten Ort gefunden, wo Pferde, wie die Hunde, meine Familie und ich zur Ruhe finden konnten, indem wir Wiesen durchstreifen, vollkommen frei und ursprünglich. Dort lernte ich auch das Rudel um Kiara kennen, bestehend aus Hunden die zugelaufen waren oder in der Mülltonne gefunden wurden. Sie bilden eine harmonische Gruppe, in deren Mitte die majestätische Kiara, im Müll gefunden, umsichtig agiert. Locco, ihre treue rechte Hand, kam bei Gewitter zugelaufen, so wie die gemütliche Rubi. Juana, fand zuletzt den Weg in diese Gemeinschaft, nachdem sie offensichtlich wenig Gutes zuvor erfahren hatte. Die Gruppe gab ihr Ruhe, Zeit und Akzeptanz. Hier leben sie zwar angebunden an eine Menschenfamilie, dennoch sehr autark. Wann immer wir kamen, nahmen sie uns in ihrer Gemeinschaft auf. Zusammen bewegten sich die Hunde frei, fröhnten ihrer Jagdlust, oder streiften durch die Wiesen. Hier kamen auch meine Leela und ich zur Ruhe. Ebenso nahm ich alle meine Fundhunde  mit zu ihnen, und erlebte, wie sie mit jedem Typ in der Lage waren umzugehen. Kämpfe oder Beißereien gab es niemals.
Tinka lebte drei Monate bei uns, bis ich für sie ein neues, gutes Zuhause fand. Bis dahin gingen wir nun zu dritt unsere Runden, Leela stellte sich dabei als gute Lehrmeisterin für Tinka heraus, die offensichtlich in ihrem jungen Leben noch kaum Erfahrungen sammeln durfte. Mit der Gruppengröße wuchs auch unser Selbstbewusstsein, es begann sich etwas zu verändern. Den Begegnungen mit ungebundenen Hunden konnte ich gelassener entgegensehen, weil sie sich respektvoller näherten, sich und uns Zeit und Raum gaben, sie brachten uns nicht in Bedrängnis.

Nachdem ich nur kurze Zeit mit Leela wieder alleine meine Runden zog, bat mich ein Freund, ob ich einen Hund für ihn aufnehmen könne, so lange er außer Landes sei. Eine Hündin, die momentan an einer Kette ihr leben fristete. So kam Tequila zu uns, ein Labrador-Mix, fröhlich, verspielt und eine kontaktfreudige Wasserratte. So wanderten wir wieder zu dritt, immer ein wenig mehr Sicherheit gewinnend, immer weniger Anspannung im Gepäck. Tequilas lebensfrohe Art war sehr hilfreich dabei. Nachdem sie einige Wochen bei uns war, zog sie um in ihr neues Heim, was sie mit einer weiteren Fundhündin, Cala, teilen sollte. Auch dieses Zusammenfinden der beiden durfte ich begleiten.
Einige Wochen vergingen, bis meine Söhne eine Hündin in den Dünen fanden, allein, in sehr schlechtem Zustand, statt Fell hatte sie Kettenmale am Hals. Als ich sie sah, wie sie da über den Sand kroch, wollte ich nicht schon wieder einen Hund aufnehmen, und wusste dennoch, unsere Wege sollten sich kreuzen. Ihre Entscheidung diesbezüglich war sehr klar. Das ganze Prozedere ging von vorne los, wir hatten bereits eine gewisse Routine darin, Tierarzt, Wurmkur, Floh-und Zeckenbeghandlung, Kastration. Lou tauften wir sie, und mit nachwachsendem Fell zeigte sich ein Boxer-Bullterrier-?-Mix. Dieser Hund hatte etwas an sich, was ich von Beginn an zutiefst bewunderte. Zugleich erschrak ich, weil sie etwas tat, was ich schon von mehreren Gartenzaunhunden hier kannte:starres Fixieren anderer Hunde, in diesem Falle meines Hundes. Das Leela sehr territorial ist, wusste ich bereits, zwischen den beiden kam es allerdings erstmals zu offenen Aggressionen, und einer Beißerei. Damit galt es nun umzugehen. Ich beschloss mich auf meine Intuition zu verlassen, es meinem Hund und mir zuzutrauen, uns auf diesen Hund einzulassen. Parallel begann ich nachzulesen, zu recherchieren, eine Freundin machte mich auf ein Buch aufmerksam, was einen hilfreichen Ansatz anbot. Unser Vertrauen wurde reich belohnt. Lou fand jeden Tag mehr zu sich, die Momente des starren Fixierens wurden immer seltener, sie ging nicht mehr ruhelos umher, und folgte auf Schritt und Tritt, ihr Fell wuchs nach. Mir erschien diese Entwicklung wie eine Rückführung ihrer selbst, äußerlich wie innerlich. Nun war sie wieder ein wunderschöner, kräftiger Hund, mit einer Gelassenheit, die mir zutiefts imponierte. Die beiden Hündinnen wuchsen ebenfalls mehr und mehr zusammen. Leela teilte ihr Territorium, und auf den täglichen Spaziergängen vertraute sie sich Lou zusehends an. Ich bemerkte selbiges bei mir. Dieser Hund strahlt eine solche soziale Sicherheit aus, Mut und pure Lebenslust, was mich zutiefst berührte. Die Zeit des Wanderstabes war vorbei, ich begann zu erkennen, was für eine großartige Lehrmeisterin diese Hündin für mich war. Ich versuchte mir vieles von ihr abzuschauen. Auch erlebte ich meinen sonst eher ängstlichen Hund als viel couragierter, als Teamworkerin, wie mit einem „erweiterten Wortschatz“. Mein Verständnis für hündisches Miteinander begann sich vollkommen zu wandeln. Wir wuchsen zusammen, als ein souveränes, gelassenes Dreiergespann, frei von der alten Angst vor Begegnungen. Auch bei der Bitte um Einschätzungen anderer Hunde, nahm ich Lou mit, sie zeigte mir, was zu tun war, und vor allem beharrlich zu bleiben, bei gleichbleibender Ruhe. Zwischenzeitlich nahmen wir Rolli in unsere Mitte, ein siebzehn Jahre alter Hundesenior. Er konnte nicht mehr laufen, lag aber gerne im Garten unter dem Sonnenschirm. Um ihn herum, stets in respektvollem, fürsorglichem  Abstand,  Lou und Leela. Vielleicht mag das ein Vorgeschmack auf den Hundehimmel für den mittlerweile verstorbenen Rolli gewesen sein..

Für mich waren die Monate in denen Lou Teil unserer Familie war, ein Vorgeschmack, auf meine berufliche Zukunft. Hier, auf diesem anderen Kontinent wurde mir klar, welchen Weg ich beruflich einschlagen wollte. So kam ich zu dem Entschluss, Hundespychologie als Fernstudium zu beginnen, was ich mit meinem Diplom im Oktober 2017 beendete. Parallel dazu konnte ich bereits einige Menschen und ihre Hunde vor Ort unterstützen.
Von Anfang an war klar, dass Lou nicht würde bei uns bleiben können, dass wir nur mit einem Hund nach Deutschland würden zurückkehren können. Dieser Hund hatte so sehr eine liebevolle Familie verdient, die ich zu suchen begann und fand. So sehr ich mich für sie freute, sie hinterließ zunächst eine riesige Lücke in unsere Familie, auf den Spaziergängen, im alltäglichen Miteinander. Ihre Gelassenheit und Ruhe aber haben wir verinnerlicht, wir konnten jetzt auch ohne ihre Anwesenheit sicher und ohne Angst gehen.
Loslassen braucht Zeit, so vergingen einige Monate ohne weitere Gasthunde. Bis wir eines kalten Abends Pepe fanden, neben einem Karton am Straßenrand. Vielleicht sechs Wochen alt frierend und alleine. Auch er wurde von uns aufgenommen, wieder hieß es liebevolles Zuhause gesucht. Auch ihn hätten wir gerne behalten, weil er ein ganz erstaunliches, waches und kluges Wesen hat. Dabei schien er in seinem Wesen noch so heil, und offensichtlich sehr gut sozialisiert. Kommunizieren, und Ausdrücke interpretieren konnte er meisterhaft. Es fand sich auch für ihn bald ein gutes Zuhause.

So war dieser weite „UM-Weg“ schließlich der Weg zu mir selber, und stellt die Basis meiner jetzigen Arbeit mit Hunden dar, wofür ich unendlich dankbar bin.

Ein großes Dankeschön an meine Familie, die alle Hundegäste stets so liebevoll mit betreut hat, und mich auf vielerlei Weise auf meinem Wege unterstützt hat.
Allen Menschen, die mir in Hundefragen ihr Vertrauen entgegen gebracht haben, danke ich von Herzen dafür, dass sie mir die Gelegenheit gaben weiter lernen zu dürfen.

Allen meinen hündischen „WegweiserInnen“ gebührt mein innigster Dank und Respekt – es war mir eine Ehre!

Muchisimas Gracias a todos.


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