Meine Begeisterung für die Vielfalt von sprachlichem Ausdruck und Kommunikation haben mich viele Jahre lang meine therapeutische Arbeit mit Kindern ausüben lassen. Meine Neugier und Entwicklungslust ermöglichten mir einen Aufenthalt am anderen Ende der Welt und von dort einen grundlegenden Perspektivwechsel.
Die Jahre in Südamerika haben mich tief geprägt, und mich gelehrt, was es bedeutet, den Blick auf das Wesen Hund und auf mich als Mensch wirklich zu öffnen. Ich konnte mich wieder als Lernende begreifen meinen Blick auf Hunde vollkommen neu entdecken. Ihre Klarheit und ihr hoch komplexes Wesen zugleich bewegen mich in meiner Ganzheit täglich aufs Neue, weiter zu forschen, neue Erkenntnisse zu gewinnen, Wissen und Erfahrungen zu bündeln, um zu einer erfüllten, lebendigen und sinnvollen Beziehung mit einer gemeinsamen Sprache, zu finden.
Mein Staunen darüber, wie lebendig heilsam und wirkungsvoll Beziehungen sein können, veränderte meine innere Haltung, und mein Bedürfnis nach persönlicher und beruflicher Weiterentwicklung.
Zurück in Deutschland haben die Hunde mich auch dazu inspiriert, etwas von diesen Erfahrungen weiter zu geben, mehr noch, mein Wissen zu ergänzen und weiter zu entwickeln. So bin ich auch aktuell weiter auf dem Weg des Lernens, und arbeite zugleich in kooperativen Prozessen an verschiedenen Seminar-Projekten mit Menschen und Hunden.

Südamerika 

Zuvor war ich viele Jahre therapeutisch tätig, als Logopädin in einer Lübecker Praxis, mit dem Schwerpunkt Kindersprache. Zuletzt habe ich auch meinen Hund in die therapeutische Arbeit miteinbezogen. Der Weg nach Südamerika war lang, die Landung unsanft, der Prozess des Ankommens dort gestaltete sich schwierig - Was für ein Geschenk dieser Schritt/“Umweg“ jedoch war und immer noch ist, begann ich jedoch erst im Laufe der drei Jahre dort, wirklich zu begreifen.
Eine fremde Kultur – das war die Idee - aber wie sich praktisch darauf einlassen? Wie Leben aktiv gestalten, wenn die Möglichkeiten so gering, so wenig gangbar erscheinen? Eine erste wichtige Erkenntnis zeigte sich: eine Vorstellung von etwas ist das eine, etwas ganz anderes die Realität! Meine Vorstellung davon, gemeinsam mit meinem Hund genüsslich die neue, sonnige Umgebung zu erkunden, am nahen Strand zu gehen, stellte sich ebenfalls völlig anders dar. Um an den Strand zu gelangen, galt es zunächst einmal den Weg dorthin zu überstehen. Zu Beginn glich das einem gefühlten Spießrutenlauf, wobei die Angst stetig mitlief, so wohl bei mir, als auch bei meinem Hund. Unser Weg führte uns durch ein normales Wohngebiet mit großen Gärten, hinter großen Zäunen. Auf jedem Grundstück zwei bis sechs zumeist reinrassige Hunde, sehr kräftige Exemplare wie Rottweiler, Schäferhunde, Bullterrier. Lebende Alarmanlagen, wie sich bald herausstellte, ohne Auslauf, Bindung, oder Beschäftigung.
Manch einer fand Schlupflöcher, um zu uns auf die Straße zu gelangen, sprang über den Zaun, oder wurde einfach alleine losgeschickt. So rannten sie dann auf uns zu, oder warfen sich bellend und scheinbar aggressiv gegen die Zäune. Zusätzlich gab es die vielen Straßenhunde, die häufig einfach aus den Dünen auftauchten, jedoch wesentlich respektvoller agierten. Anfangs hatte ich das Bedürfnis, mir irgendwie Sicherheit zu verschaffen, und nahm einen Wanderstab mit, den ich häufiger auch als Abstandshalter benutzten musste. Die Angespanntheit blieb. Ich begegnete einer deutschen Austauschschülerin, die ähnliche Schwierigkeiten hatte. Sie hatte einen Welpen auf der Straße gefunden, aufgenommen und wollte ihn mit nach Deutschland nehmen. Das gestaltetet sich schwierig, so dass Nilo erst später nachfliegen konnte. Wir konnten helfen, indem wir einen Flugpaten für ihn fanden. Bis dahin spielte er mit Leela. Mittlerweile lebt er in Berlin.
Ich fand Arbeit – Reittherapie mit authistischen Kindern – und auf der Straße dorthin las ich meinen ersten Hund auf, angebunden an einem Straßenschild, ohne Wasser in der Sonne. Ich nahm sie zu uns, Tinka, eine wunderschöne, noch sehr junge Schäferhund-Mix-Dame in üblem Zustand, die sich schnell einlebte. Wenig später kam Cosmo in unsere Familie, mein Pferd. Trotz meiner vorhandenen Erfahrungen mit Pferden, begann ich zusammen mit ihm noch einmal ganz von vorn zu lernen. Unser Kontakt entstand über die Arbeit mit Natural Horsemanship, was ich hier lernen durfte. Kommunikation ohne Worte, jedoch mit Energie und Körper. Behutsam kamen wir uns näher, lernten einander kennen. Ich hatte einen guten Ort gefunden, wo Pferde, wie die Hunde, meine Familie und ich zur Ruhe finden konnten, indem wir Wiesen durchstreifen, vollkommen frei und ursprünglich. Dort lernte ich auch das Rudel um Kiara kennen, bestehend aus Hunden die zugelaufen waren oder in der Mülltonne gefunden wurden. Sie bilden eine harmonische Gruppe, in deren Mitte die majestätische Kiara, im Müll gefunden, umsichtig agiert. Locco, ihre treue rechte Hand, kam bei Gewitter zugelaufen, so wie die gemütliche Rubi. Juana, fand zuletzt den Weg in diese Gemeinschaft, nachdem sie offensichtlich wenig Gutes zuvor erfahren hatte. Die Gruppe gab ihr Ruhe, Zeit und Akzeptanz. Hier leben sie zwar angebunden an eine Menschenfamilie, dennoch sehr autark. Wann immer wir kamen, nahmen sie uns in ihrer Gemeinschaft auf. Zusammen bewegten sich die Hunde frei, fröhnten ihrer Jagdlust, oder streiften durch die Wiesen. Hier kamen auch meine Leela und ich zur Ruhe. Ebenso nahm ich alle meine Fundhunde mit zu ihnen, und erlebte, wie sie mit jedem Typ in der Lage waren umzugehen. Kämpfe oder Beißereien gab es niemals.
Tinka lebte drei Monate bei uns, bis ich für sie ein neues, gutes Zuhause fand. Bis dahin gingen wir nun zu dritt unsere Runden, Leela stellte sich dabei als gute Lehrmeisterin für Tinka heraus, die offensichtlich in ihrem jungen Leben noch kaum Erfahrungen sammeln durfte. Mit der Gruppengröße wuchs auch unser Selbstbewusstsein, es begann sich etwas zu verändern. Den Begegnungen mit ungebundenen Hunden konnte ich gelassener entgegensehen, weil sie sich respektvoller näherten, sich und uns Zeit und Raum gaben, sie brachten uns nicht in Bedrängnis.